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www.RIF-eV.de | Sozio-technische Fähigkeitsbewertung | 06.12.2019

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Sozio-technische Fähigkeitsbewertung

Um die Auswirkung der gestalteten CPPS-Lösung auf das Unternehmen bewerten zu können, wurde die Fähigkeitsbewertung an den Schnittstellen des sozio-technischen Systems durchgeführt. Das zusammenfassende Ergebnis der Bewertung ist in Abbildung 48 dargestellt. Es ist zu erkennen, dass die Einführung der konzipierten Lösung eine maßgebliche Auswirkung auf das Arbeitssystem besitzt. In allen drei Schnittstellenbereichen gibt es Abweichungen, aber insbesondere der Bereich Technik-Organisation weist enorme Änderungen auf. Daraus lässt sich ableiten, dass maßgebliche, gestalterische Maßnahmen erforderlich sind.

Abbildung 48: Sozio-technische Fähigkeitsbewertung der Firma Steiner-Optik

Im nächsten Schritt wurde die Implementierung der konzipierten Lösung bei Steiner weiter geplant und ausgestaltet. Hierzu wurden alle relevanten Abteilungen und Mitarbeiter einbezogen, insbesondere die IT und die Produktion. Im Zuge der Ausgestaltung und der Feinplanung der konzipierten Lösung stellte sich jedoch heraus, dass maßgebliche Hemmnisse vorliegen, insbesondere mit Fokus auf der bestehenden Organisation und der IT-Umsetzung.

Die benötigten Abläufe (Priorisierung der Aufträge, Visualisierung von Arbeitsabläufen) können nicht in dem bei Steiner vorhandenen PPS-System dargestellt werden, ohne umfassendere Eingriffe im bestehenden IT-System vorzunehmen. Deshalb wäre für die benötige IT-Unterstützung des Demonstrators eine Stand-Alone-Lösung zu erarbeiten. Aufgrund begrenzter interner IT-Kapazitäten war es nicht möglich die IT-technischen Anforderungen des Systems umzusetzen. Bestehende Standardlösungen, die per Plug&Play die Anforderungen der bestehenden Systeme erfüllen, existieren in diesem Kontext nicht. Die individuelle Programmierung eines IT-Systems zur Umsetzung des Demonstrators wurde als nicht wirtschaftlich eingestuft, sodass eine nennenswerte Investition erforderlich gewesen wäre, ohne produktiven Mehrwert. Dabei wurde deutlich, dass das Unternehmen keinen Return on Investment (ROI) für eine solche Investition erkennen konnte.

Des Weiteren haben sich für das Unternehmen dramatische Veränderungen am Markt ergeben, auf die mit korrigierenden Maßnahmen reagiert werden musste, was zur Folge hatte, das die für die Fortführung des Projekts geplanten Kapazitäten nicht mehr zur Verfügung standen.

Abschließend ist festzustellen, dass Steiner in der Unternehmenstypologie dem „zufriedenen Typ“ entspricht (siehe Kapitel 3.1.4 - Modul 0), der in der gefundenen Nische bisher ohne umfassende Digitalisierungsaktivität erfolgreich am Markt agieren kann. Dies ist insofern eine wichtige Erkenntnis, als dass aufgezeigt wird, dass die Digitalisierung nicht um jeden Preis vorangetrieben werden muss. Die unternehmensspezifischen Rahmenbedingungen machen deutlich, dass eine Digitalisierung zum jetzigen Zeitpunkt nicht erforderlich ist. In diesem Fall ist die Digitalisierung nicht zu erzwingen sondern einerseits die Entwicklung der Digitalisierung am Markt weiter zu beobachten und die eigene Entwicklung der Unternehmensstruktur hinsichtlich der Organisation, technischer Voraussetzungen und des Personals zu berücksichtigen. Beide Schritte sind unter Einbezug der Typologie fortlaufend überprüfbar, was dem Unternehmen die Möglichkeit eröffnet, den „richtigen“ Zeitpunkt für einen Digitalisierungsschritt zu bestimmen.

Für die sozio-technische Fähigkeitsbewertung lässt sich ableiten, dass die identifizierten Änderungen, unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen, zu umfassend gewesen wären. Alleine basierend auf der Grafik ist diese Interpretation jedoch nicht möglich. Die unternehmensspezifischen Rahmenbedingungen wie bspw. Wettbewerbssituation, Unternehmensstruktur oder Erfahrung mit Innovationen ist sind hier zusätzlich zu berücksichtigen.

 

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