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www.RIF-eV.de | Fazit/Statement | 06.12.2019

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Fazit/Statement

Im letzten Projektschritt stand die Validierung im Vordergrund. Es sollte soweit möglich untersucht werden, inwieweit die eingangs erwähnten vier zentralen Ziele erreicht werden konnten.

Zu diesem Zweck wurde in Zusammenarbeit der Projektpartner LP, InSystems und dem RIF ein Fragebogen entwickelt, der alle relevanten Ergebnisse, bzw. die Datenlage nach der oben beschriebenen Umsetzung gemäß Industrie 4.0–Projektanspruch im Demonstrator-Bereich bei TOPSTAR erfasst. In Abbildung 41 ist ein Auszug aus dem Validierungsprotokoll dargestellt.

Abbildung 41: Auszug aus dem Validierungsprotokoll

Die eigentliche Validierung wurde anschließend in zwei Teilschritten, zusammen mit allen direkt beteiligten Projektpartner im Hause TOPSTAR durchgeführt. Der erste Validierungsdurchlauf fand im April 2018 statt, wobei alle aufgeführten Punkte des Protokolls bewertet wurden, soweit dies die Datenlage ca. 6 Monate nach Umsetzung der Maßnahmen zuließ.

Eine wiederholende Validierung nach längerer Laufzeit des Demonstrator-Bereichs nach dessen Umsetzung und mit nunmehr gefestigten Ergebnissen erfolgte dann Ende Januar 2019.

Des Weiteren wurde im September 2018 erneut eine MTM-Analyse, analog zu der Analyse des Ausgangszustands, durchgeführt, um auch zahlenmäßig die Veränderung des Sekundäraufwands, verursacht durch Gehwege, zu belegen.

Ergebnisse der MTM-Analyse nach der Umsetzung:

  • Geh- und Handhabungswege zum Holen vorkommissionierter Trays von den neu gestalteten Arbeitsplätzen zu den Pufferstrecken => 20,6 Sek.
  • Geh- und Handhabungswege für die Umsetzung fertig montierter Produkte auf das Transportband in den Verpackungsbereich => 39,0 Sek.

Anmerkung: die hier längere Handhabungszeit für das Abschieben der fertigen Produkte auf das Transportband resultiert aus der Prozesszeit für die Höhenverstellung der Montageplätze auf das Niveau der Förderstrecke; insgesamt ist die Endmontagezeit deutlich kürzer und die körperliche Belastung der MA geringer als im Ausgangszustand.   

Auf Basis dieser Arbeiten und der Auswertung aller zum Projektende bereits vorliegenden Mitarbeitereinschätzungen und Controllingzahlen/ KPI können nun folgende Beiträge zur Zielerreichung festgehalten werden:

1.      Verbesserung der Ergonomie:
Die Mitarbeiter sind mittlerweile zu ca. 75 % um manuelles Heben und Tragen entlastet. Durch die Neugestaltung der Anlagen und den Einsatz von AGV konnten über 2.000 händisch bewegte Tonnen p.a. eingespart werden. Die o. g. Prozentzahl wird sich im Verlauf der nächsten ca. 1-2 Jahre auf über 90 % erhöhen.

2.      Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit:
Die ersten Einschätzungen aller beteiligten Mitarbeiter zur neuen Produktionslinie sind hinsichtlich Arbeitsumgebung und Arbeitsgestaltung überaus positiv. Viele erzählen mit Stolz, an diesem Projekt mitgewirkt zu haben und an dieser Linie zu arbeiten. Wir werden dieses erfreuliche Feedback der Mitarbeiter einerseits über weitere Interviews unserer Wissenschaftspartner, als auch über eine breit angelegte, zweijährlich wiederkehrende Mitarbeiterzufriedenheits­befra­gung in 2019 nochmals konkretisieren.

3.      Erhöhung der Flexibilität:
Hier konnte durch die Trennung der Vor- und Endmontage die Anlernzeit der Monteure bspw. um ca. 75 % gesenkt werden. Dies ist von großem Vorteil für uns, da gerade bei unregelmäßig wiederkehrenden Großaufträgen in kurzer Zeit eine große Anzahl an Monteuren zur Verfügung stehen muss. Auch in anderen Bereichen ist durch die klare Gliederung der Linie die Anlernzeit niedriger und auch das Grundverständnis der Arbeit wesentlich höher als früher. Hier werden im Verlauf der nächsten Zeit sicherlich weitere erfreuliche Zahlen zu vermelden sein.

4.      Hebung von Ratiopotenzialen:
Wie im bisherigen Verlauf des Beitrages geschildert, wurde im Rahmen des Projektes an der Wagner-Linie nahezu an jeder „Stellschraube gedreht“. Insofern hat sich auch monetär eine Vielzahl von Einzeleffekten ergeben. Die einzelnen Bereiche weisen einen unterschiedlichen Entwicklungsstand auf, so dass noch keine abschließend belastbare Zahl zur Verfügung steht. Nach unserer derzeitigen Schätzung summieren sich die verschiedenen Effekte aber durchaus auf eine Produktivitätsverbesserung um ca. 10 %. Diese Zahl liegt leicht über unseren Erwartungen und wird innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre wahrscheinlich noch steigen.

In Summe hat das STEPS-Projekt das Unternehmen nachhaltig bereichert. Einerseits ist Europas modernste Fertigungslinie für Sitzmöbel entstanden. Nicht zuletzt deswegen konnten wir in den letzten Jahren eine große Zahl neuer Kunden mit bekannten Namen aus der Großindustrie und dem Dienstleistungsgewerbe für uns gewinnen. Auf der anderen Seite hat sich die frühe und umfängliche Einbindung der Mitarbeiter in das Projekt nicht nur für die Produktionslinie Wagner ausgezahlt. Die unternehmensweite Kommunikation des Projekts hat auch bei anderen (allen) Mitarbeiter-/ innen innovative Kräfte freigesetzt. Man sieht dies u. a. deutlich an den Ideen, die in unser betriebliches Vorschlagswesen eingepflegt werden oder einfach nur in Meetings und Workshops zu den unterschiedlichsten Themen. Dort werden auch die „unmöglichen, aber zukunftsweisenden“ Themen diskutiert und umgesetzt. Digitalisierung und Industrie 4.0 werden auf diese Weise nicht nur bekannt gemacht, sondern auch gelebt. Diesen Geist gilt es nun weiterhin festzuhalten und fortzuentwickeln.

 

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