www.RIF-eV.de
www.RIF-eV.de | Modul 2 | 06.12.2019

Modul 2: Sozio-technische Fähigkeitsbewertung

Die Sozio-technische Fähigkeitsbewertung wird in den folgenden drei Kapiteln näher erläutert:

 

Das sozio-technische System

Bei der CPPS-Auswahl in Kapitel 3.2 - Modul 1 lag der Fokus auf der Auswahl technischer Lösungen basierend auf definierten Use-Cases und ihrer Auswirkung auf Unternehmensziele. Hierbei handelt es sich zunächst um allgemeine Lösungen, die im zweiten Schritt auf das Unternehmen zu übertragen sind. Die Grundlage dazu bildet die Betrachtung des sozio-technischen Systems.

In der Diskussion um die Industrie 4.0 wird häufig die Diskussion um eine Technikzentrierung oder Humanisierung von Arbeit geführt. Dem Ansatz des sozio-technischen Systems entsprechend geht es bei der Arbeitsgestaltung allerdings nicht um die Frage eines entweder Technik oder Mensch, sondern vielmehr ist eine komplementäre Gestaltung der einzelnen Systemelemente, um ein aufeinander abgestimmtes sozio-technisches Gesamtsystem zu erreichen (vgl. insbesondere Grote 2018). Komplementarität meint dabei, dass situationsabhängig die spezifischen Stärken und Schwächen von Technik und Mensch gleichermaßen Berücksichtigung finden und eine entsprechend optimale Funktionsteilung zwischen Mensch und Maschine entworfen wird, die durch die Organisation ermöglicht wird und eine störungsfreie und effiziente Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems ermöglicht. Eine Voraussetzung dafür ist einerseits, dass die Technik den Menschen unterstützt und ihn nicht einschränkt oder belastet sowie andererseits, dass der effiziente Einsatz technischer Systeme ermöglicht wird. Bei der komplementären Gestaltung des Gesamtsystems sollte das leitende Kriterium stets darin bestehen, die Potenziale für das Gesamtsystem bestmöglich auszuschöpfen.

Abbildung 15: Schnittstellen im sozio-technischen System (i. A. a. Ittermann et al. 2016)

Die zentralen Gestaltungsräume liegen daher weniger in voneinander unabhängigen Funktionsweisen der einzelnen Teilsysteme, sondern vielmehr in den Interdependenzen der Teilsysteme digitale Technik, Mensch und Organisation (vgl. hierzu und zum Folgenden insbesondere Hirsch-Kreinsen und ten Hompel 2016; Ittermann et al. 2016). Konkret geht es um die Auslegung der funktionalen Beziehungen bzw. der Schnittstellen (siehe Abbildung 15):

  • Mensch-Technologie: Mensch-Maschine-Interaktion

  • Mensch-Organisation: Gestaltung der Arbeitsorganisation und die Realisation von Prinzipien der Arbeitsstrukturierung

  • Organisation-Technologie: Gestaltung der Prozessorganisation und der Realisation von Kriterien des Business Process (Re-)engineering

Da bestehende Ansätze zur soziotechnischen Analyse, bspw. nach Grote (2018), sehr detailliert, allerdings auch sehr zeitaufwändig sind, wurde ein vereinfachter, spezifischer Ansatz im Kontext der Industrie 4.0 entwickelt.

 

Weiter zu Anforderungen an die Bewertung

Oder Zurück zur Übersicht von Modul 2