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www.RIF-eV.de | Der zufriedene Typ - Wir nutzen weiter Industrie 3.0 | 06.12.2019

Der zufriedene Typ - Wir nutzen weiter Industrie 3.0

In diesem Typus dargestellte Unternehmen sind in der gewählten Nische bisher wirtschaftlich sehr erfolgreich und sehen daher kaum die Erfordernis zur Veränderung bzw. stehen einer zunehmenden Digitalisierung abwartend bis ablehnend gegenüber. Mögliche angedachte Lösungen werden daher zunächst nicht umgesetzt. Gründe sind zum einen die bisherigen Strukturen, die zu eingefahren und auch in hohem Maße komplex sind. Hier können Veränderungen vor allem im Bereich der EDV zu großem Aufwand führen, der für KMU nur schwer abschätzbar ist. Zum zweiten ist damit ein finanzielles Risiko verbunden, das nur schwer abschätzbar ist. Hinzu kommt eine wirtschaftlich gute Lage, die keinen direkten Anlass für Veränderungen gibt. Der starke Bezug zum Tagesgeschäft bindet einen Großteil der Ressourcen, um weitreichende strategische Veränderungen anzustoßen. Unklare interne Kommunikationswege und eine fehlende Integration der Industrie 4.0-Lösung in die Gesamtstrategie des Unternehmens führen bei diesem Typ zu einer ablehnenden Haltung gegenüber neuen technologischen Lösungen. Grundsätzlich kann hier von einem nicht unerheblichen Beharrungsvermögen gesprochen werden, was teilweise zu einem Scheitern von Veränderungsbemühungen führt. Es kommt hier eher nicht zur Umsetzung von Industrie 4.0-Anwendungen. Begründungen dafür lassen sich ebenfalls entlang der aufgestellten Merkmale finden.

-          Arbeitsorganisation – Merkmal und Ausprägung

Der zufriedene Typ ist in Bezug auf die Arbeitsorganisation durch komplexe Strukturen und starke Beharrungstendenzen gekennzeichnet. Die für diesen Typ charakteristische Marktnische, erlaubt es ihnen dabei mit den bisherigen Strukturen sehr profitabel produzieren zu können. Die über viele Jahre gewachsenen Strukturen sind höchstens in einigen wenigen Punkten angepasst worden, wenn dies aufgrund von sich ändernden technischen Möglichkeiten erforderlich war. Dabei stand die weitere Manifestation der bisher erreichten Marktposition im Fokus, um weiterhin qualitativ hochwertige Produkte produzieren zu können. Eine Veränderung dieser gewachsenen Strukturen kann nur unter großen Anstrengungen gelingen und muss vor allem die untere Leitungsebene einbeziehen, da diese als wesentliche Promotoren anzusehen sind. Gerade dort stehen jedoch der bisherige Anspruch von Handwerk und der Qualitätsanspruch stark im Vordergrund und ist eng verbunden mit der über viele Jahre gewachsenen Produktionsform. Das Bild des klassischen deutschen Facharbeiters steht dabei im Mittelpunkt und der Produktionsprozess ist durch viele Einzelschritte, ein hohes Maß an Handarbeit und eine ausgeprägtes Abteilungsdenken gekennzeichnet.

Die bereits betonte Promotorenstellung der unteren und mittleren Führungsebene wird vor dem Hintergrund eines erkennbaren Bruchs in der internen Kommunikation zwischen diesen Ebenen bedeutsam. Gründe dafür können im Rückzug des vormals aktiven Inhabers oder im Verkauf des Unternehmens gesehen werden. Die damit verbundenen Veränderungen stoßen auf starke Beharrungskräfte im Unternehmen. Mit der Veränderung ist dann meist ein neuer Führungsstil verbunden, der nicht im Zuge einer geordneten Übergabe bzw. Übergangsphase vollzogen worden ist. Diese neuen Führungsansätze stehen dann oft in Opposition zu den bisherigen Gegebenheiten, was ebenfalls in starkem Maße Veränderungsbereitschaft und Veränderungswillen im Unternehmen beeinflussen oder hemmen.

Im Kern bedeutet eine solche Konstellation oft eine Ablehnung bzw. Nichteinführung angedachter Industrie 4.0-Lösungen, die jedoch für das Unternehmen einen durchaus gangbaren Weg darstellen und auf lange Sicht unumgänglich scheinen. Mit der Ablehnung bzw. Nichteinführung kommt es so zu keiner Veränderung der Arbeitsorganisation, da starker Beharrungswillen möglichen Lösungen entgegensteht. Erkennbar wird auch, dass die große Menge an möglichen Industrie 4.0-Lösungen KMU oftmals überfordern. Die (vorläufige) Nicht-Nutzung kann durchaus als Option gelten, da für das eigene Unternehmen die (möglichen) Vorteile bisher nicht überwiegen bzw. erkennbar sind.

-          Tätigkeiten und Qualifikationsanforderungen – Merkmal und Ausprägung

Zwar kommt es bei diesem Typ nicht zur Einführung einer Industrie 4.0-Lösung, gleichwohl kann über eine angedachte Veränderung der Tätigkeiten und Qualifikationsanforderungen eine Aussage gemacht werden, da auch in diesem Fall eine Lösung oft geplant jedoch nicht umgesetzt worden ist. Im Fokus stehen auch hier oft Vereinfachungen der Tätigkeiten auf dem Hallenboden, die insbesondere einfache Tätigkeiten (Verpacken, Kommissionieren) betreffen. Denkbar ist dabei eine stärkere Anleitung der Beschäftigten durch elektronische Systeme und eine stärkere Vorplanung, die mögliche Suchzeiten und andere Nebentätigkeiten minimiert. Damit ist auch bei diesem Typ eine Rücknahme bisheriger Qualifikationsanforderungen zu erwarten bzw. mit einer schleichenden Abwertung dieser Tätigkeiten zu rechnen. Wie bereits beim reagierenden Typ sind auch hier Veränderungen in zwei unterschiedliche Richtungen festzustellen. So werden Tätigkeiten und Qualifikationsanforderungen auf dem Hallenboden vereinfacht bzw. zurückgenommen. Gleichzeitig steigen jedoch die Qualifikationsanforderungen auf einer mittleren Führungsebene, wobei es zu einer Aufwertung der Tätigkeiten kommt. Auch bei diesem Typ lassen sich Polarisierungstendenzen bei der Betrachtung von Arbeit (Hirsch-Kreinsen 2016) erkennen.

-          Technologieadaptionsfähigkeit – Merkmal und Ausprägung

Wenngleich zunächst keine Umsetzung einer Industrie 4.0-Lösung erfolgt, kann die Technologieadaptionsfähigkeit bei diesem Fall nicht durchweg als schwach bezeichnet werden. In der Vergangenheit sind durchaus technische und organisatorische Veränderung umgesetzt worden. In Bezug auf Industrie 4.0-Lösungen wird jedoch deutlich, dass vor allem die hohe Anzahl und die rasant steigende Geschwindigkeit solcher Lösungen die Adaptionsfähigkeit des Unternehmens an Grenzen stoßen lässt. Dabei ist es nicht so sehr die technische Machbarkeit, die solche Grenzen deutlich werden lässt. Es sind vielmehr organisatorische und teilweise finanzielle Vorgaben, die die eigentliche Umsetzung hemmen. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Digitalisierung der industriellen Produktion muss jedoch betont werden, dass eine Verweigerung vor diesen Veränderungen in letzter Konsequenz zu einer „Überalterung“ der eigenen Produktion führen kann. Daher ist bei diesem Typus die bereits angedachte Lösung in jedem Falle weiterzuverfolgen, um diese zu einem späteren Zeitpunkt einführen oder diese Planungen konkretisieren zu können.

-          Akzeptanz der Lösung – Merkmal und Ausprägung

Aufgrund einer in diesen Fällen nicht eingeführten Digitalisierungslösung kann keine fundierte Aussage über deren Akzeptanz in der Praxis gemacht werden. Grundsätzlich kann hier aufgrund der Beharrungstendenzen und der starken Orientierung an den bisherigen Standards jedoch davon ausgegangen werden, dass solche Lösungen nicht friktionslos umzusetzen sind. Zu betonen sind daher die Vorgaben und Forderungen aus den anderen Unternehmenstypen (Einbindung der Mitarbeiter, Nützlichkeit der Lösung, Qualifizierung etc.), wenn eine Einführung erfolgreich erfolgen soll. Notwendige Anpassungen der Arbeitsorganisation müssen dabei nicht grundsätzlich abgelehnt werden, wenn die Umstellung partizipativ abläuft. Es ist jedoch anzunehmen, dass es zu größeren Widerständen kommen kann, da bisher gewohnte Pfade verlassen werden müssen und auch das ausgeprägte Abteilungsdenken überwunden werden muss.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Akzeptanz einer Industrie 4.0-Lösung bei diesem Typ zunächst am geringsten ausgeprägt sein wird, da die bisherigen Standards in Frage gestellt, gewachsene Strukturen verändert und ein erkennbares Beharrungsvermögen überwunden werden muss. Bei einer Umsetzung sind diese Punkte in besonderer Art und Weise zu beachten, wenn diese gelingen soll.

 

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